Welche Informationen kann man aus den Radioemissionen der Sonne erhalten?

Bei einem coronalen Massenauswurf werden, durch die Bewegung der Plasmawolke des CME in der Sonnenkorona, elektromagnetische Wellen freigesetzt, deren Wellenlänge im Radiobereich liegt.
Die Freisetzung dieser Radiostrahlung geschieht durch einen Prozess, bei dem sich Elektronen des Plasmas um die lokalen Magnetfeldlinien in der Sonnenkorona auf Spiralbahnen bewegen.
Die Frequenz der ausgestrahlten Radiowellen hängt von zwei Parametern ab, zum Einen von der Dichte der Plasmawolke und zum Anderen von der Dichte des beteiligten Magnetfeldes. Bei höherer Dichte entstehen Wellen mit hoher Frequenz (300 MHz) und entsprechend bei niedriger Dichte Wellen mit niedrigerer Frequenz (10 MHz). Da sowohl die Magnetfeldlinien als auch das Plasma in der inneren Sonnenkorona dichter ist als in der äußeren Korona, entsteht bei einem starken CME fast zwangsläufig ein sogenannter "Radio-Sweep". Dieser Sweep beschreibt die Veränderung der Frequenz der Radiowellen von Hoch nach Niedrig, während sich die Schockfront des CME durch die Sonnenkornona von innen nach außen fortbewegt.
Zeichnet man auf der Erde diese Frequenzabfolge auf, so kann man mit Hilfe von Modellen eine Aussage über die Geschwindigkeit der freigesetzten Plasmawolke erhalten.
In den Berichten zur Sonnenaktivität wird ein solches Ereignis auch als Typ II Radiosweep bezeichnet.
Unglücklicherweise produzieren nicht alle CME´s einen solchen Radiosweep.
Bei langsamen Massenauswürfen kann es nämlich passieren, dass die Schockfront die Schallgeschwindigkeit innerhalb der Sonnencorona nicht erreicht. In diesem Fall werden keine Radiowellen erzeugt.
Andererseits kann es bei sehr starken Ausbrüchen auf der Sonne so starkes "Hintergrundrauschen" in Form von "Radio-Bursts" geben, dass man den auftretenden Radiosweep aus der aufgezeichneten Radioemission nicht mehr herausfiltern kann. Bei diesen Ereignissen tritt also ein Sweep auf, der aber nicht vermessen werden kann.
Ein weiteres Problem bei der Aufzeichnung von solaren Radioemissionen liegt in der Plasmaschicht der Erdatmosphäre. Denn auch dort entstehen ebenfalls Radiowellen, die für ein stetiges Untergrundsignal sorgen. Weiterhin kann die betreffende Schicht, die Ionosphäre, auch Radiostrahlung die von der Sonne kommt, in den Weltraum zurück reflektieren. Diese Strahlung dringt dann nicht mehr zu den Antennen auf der Erde (z.B. Culgoora Solar Observatory) durch und kann folglich nicht aufgezeichnet werden. Abhilfe schafft hier ein weltraumgebundenes Instrument wie zum Beispiel das WAVES Instrument an Bord der WIND Sonde.
Bei den verschiedenen Radioemissionen unterscheidet man 5 Typen, die mit den römischen Ziffern I - V bezeichnet werden.
Wichtig für die Charakterisierung eines CME ist jedoch neben dem schon genannten Typ II nur noch der Typ IV. Hierbei handelt es sich um einen Radioburst, der einen weiten Frequenzbereich (300 - 30 MHz) auf einmal abdeckt. Charakteristisch ist jedoch meist die lange Dauer eines Typ IV Ereignisses, das bis zu einigen Stunden anhalten kann.
Ein Typ III Ereignis tritt relativ häufig auf, wenn sich eine magnetisch komplexe Fleckengruppe auf der Sonne befindet. Hierbei verändert sich die Radiofrequenz (500 - 0.5 MHz) sehr schnell innerhalb von Sekunden. Im Gegensatz dazu dauert die Frequenzveränderung bim Typ II Sweep mehrere 10 Minuten.
Meist in Verbindung mit dem Typ III Sweep tritt der seltenere Typ V Burst auf. Hierbei handelt es sich um relativ breite Radiopulse, die zwischen 1 und 2 Minuten anhalten.
Der Typ I Radioburst schließlich, besteht aus einer Art Rauschen das von einzelnen Radiopulsen (300 - 50 MHz) hervorgerufen wird.
Generell ist nur das Typ II Ereignis charakteristisch für einen coronalen Massenauswurf. Alle anderen Typen von Radioereignissen sind auch im Zusammenhang mit Flares (ohne CME) und aktiven Sonnenflecken möglich.

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