In den letzten Stunden der Nacht hatte der Schneefall aufgehört und wir wurden von einem strahlend blauen Himmel geweckt. Die Sonne schien und das Thermometer war immerhin auf -18.7°C gefallen. Weil zusätzlich ein eisiger und schneidender Wind ging, war es zum ersten Mal richtig kalt. Da die Luft mit zahlreichen Eiskristallen gefüllt war, konnten wir schon vor dem Frühstück einen herrlichen Halo am Himmel beobachten. Den Tag verbrachten wir dann mit einer ausgiebigen Wanderung durch die hohen Schneeverwehungen auf unserem See und im angrenzenden Wald. Außerdem haben wir auf dem See einen "Beobachtungsstand" für die kommende Polarlicht-Nacht gebaut. Dieser sollte uns wenigstens ein wenig Schutz vor dem eisigen Wind bieten. Der Abend wurde eingeläutet von einem wunderbaren Sonnenuntergang und dem Aufsteigen des Erdschattens im Osten. Bereits kurz nach 19:00 Uhr war es dunkel genug, um die Milchstraße mit zahlreichen DeepSky-Objekten sehen zu können. Eine Bestimmung der Grenzgröße war mangels ausreichender Kenntnis schwacher Vergleichssterne nicht möglich, sie hat aber sicherlich bei mehr als 7.5 Magnituden gelegen. Schon während der Beobachtung des Sternenhimmels erschien ein weites Polarlichtband am Nordhorizont, dass es ein Ausdehnung von mehr als 100° von Osten nach Westen erreichte. Aus diesem Band schossen im Laufe der Nacht immer wieder Strahlen in Richtung Zenit. Außerdem rollte sich das Band ab und zu auch zu einer Spirale auf, um kurze Zeit später wieder auseinander zu gehen und den gesamten Nordhorizont zurückzuerobern. Während unserer ausgiebigen Beobachtungs- und Fotosession mussten wir starke Ausfälle des Materials hinnehmen. Besonders die Kameras schienen der Kälte nicht gewachsen und auch das Filmmaterial machte schlapp und riss beim Zurückspulen in der Kamera einfach ab. Eigentlich hätte man so etwas ja erwarten müssen, denn schließlich war die Temperatur mit -34.5°C schon rekordverdächtig. Zudem kam noch der eisige Wind, der die gefühlte Temperatur noch bis unter-60°C (!) drückte. Natürlich konnten wir wegen diverser technischer Ausfälle den Höhepunkt dieses Polarlichts nicht auf Film bannen. Dieser Höhepunkt trat gegen 23:20 Uhr auf, als extrem schnell bewegte Strahlen aus 60° Höhe vom Himmel zu fallen schienen. Diese Strahlen hatten eine wunderschöne grüne Farbe, aber besonders ihre rote Unterkante machte sie zu einem ganz besonderen und viel zu kurzen Schauspiel. Danach nahm die Aktivität kontinuierlich ab und der Himmel leuchtete noch bis nach 01:00 Uhr in einem schönen grünen Licht.
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