Natürlich wurde nach dem Schauspiel der letzten Nacht erstmal ein Bericht nach Deutschland abgeliefert. Diesen gaben Mark und Ulrich im bekannten Internet-Café ab, während Claudia und Wolfgang zum Einkaufen nach Kemijärvi fuhren. Dort wurde unter anderem auch der Filmvorrat wieder aufgefüllt, wobei die Beiden bei den Preisen fast tot umgefallen wären, denn ein einfacher 400ASA Diafilm kostete sage und schreibe 30,- DM. Das war aber am Abend schon kurz nach Ende der Dämmerung schnell wieder vergessen, denn es zeigte sich ein sehr breiter, aber zunächst noch schwacher Polarlichtbogen. Zwei Stunden später gegen 21:00 Uhr folgte diesem aber schon ein deutlich helleres Band nach und beide begannen ihren unaufhaltsamen Aufstieg in Richtung Zenit und noch darüberhinaus. Zum Glück für unsere fotografischen Tätigkeiten waren diese Polarlichtbänder eher statisch, so dass man auch ohne Gefahr länger belichten konnte. Zeitweise war der Himmel zu 3/4 in ein mystisches grünes Licht getaucht. Sogar der Schnee warf das grüne Licht des Himmels zurück und so erschien die Nacht fast vollmondhell, obwohl dieser kurz vor Neumond weit unter dem Horizont stand. Die hellsten Bereiche der Aurora waren immer die Auftreffpunkte der Bänder am West- und Osthorizont. Mitten in der Nacht und auf dem Höhepunkt der Aktivität brachen Mark und Ulrich zur nahegelegenen Straße auf, um ein besonderes Foto am Hinweisschild zum Polarkreis zu schießen. Der Standort bot zudem eine Abwechslung in den Vordergrundmotiven für die Polarlichter. In dieser Nacht traten dank besonderer taktischer Maßnahmen auch keine Kamera- und Filmprobleme mehr auf, denn es wurde immer für ausreichende Aufwärmphasen gesorgt. Da auch der Wind nicht mehr so eisig blies wie in der vorangegangenen Nacht, konnte man die Rekord-Temperaturen von -37.5°C sehr angenehm ertragen. Die Beobachtung haben wir letztendlich um 04:30 Uhr abgebrochen, als "nur" noch ein breites diffuses Band in der nördlichen Hälfte des Himmels zu sehen war. Dieses Band ist wohl auch erst mit Beginn der Dämmerung verschwunden.
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