Leoniden Meteorsturm 2002

Eine Trans-Europäische Odyssee

Vor vielen Monaten schon wurde der Entschluss gefasst, den letzten Meteorsturm unseres Lebens zu sehen, egal wie weit man dafür auch reisen müsste. Und so brach am Morgen des 18.November 2002 gegen 09 UTC eine Gruppe von 5 Amateur Astronomen in Mainz (Deutschland) nach Süden auf, denn dies war die Richtung in der man die Wolken hinter sich lassen sollte.
Der erste Abschnitt der Reise brachte uns nach Montreux wo wir noch 2 weitere Beobachter aus dem deutschen Polarlichtforum trafen, die sich unserer Jagdgruppe anschlossen. Wir entschieden weiter nach Süden zu fahren, wo der Himmel im Bereich des Rhone-Tals klar sein sollte. Nach weiteren 4 Stunden Fahrt erschien ganz plötzlich der Mond und ein paar Sterne in kleinen Wolkenlücken. Aber das reichte einfach nicht, um einen guten Blick auf den Meteorsturm zu haben. Während einer kurzen Rast und nach ein paar Telefonaten mit unseren "Heimat-Basen" in Deutschland und der Schweiz wussten wir, dass der einzige Weg zu einem perfekt klaren Himmel weiter nach Süden und in Richtung Mittelmeer führen würde. Dem Rat folgend, brachen wir in Richtung Orange im Süden von Frankreich auf, wo wir dann auch tatsächlich klaren Himmel vorfanden.
Schließlich, nach einer 1000 km Reise durch Mitteleuropa, waren wir am Ziel und schlugen unser Camp in der Commune d'Uchaux bei 44.216° Nord und 4.795° Ost (193 m über Meeresniveau) auf.
Gerade als wir mit dem Aufbau der Aurüstung beschäftigt waren, fiel der hellste Meteor der Nacht, ein -12 Magnituden Tauriden Feuerball, er tauchte auf...und verschwand wieder, ohne dass eine einzige Kamera auch nur aufnahmebereit war.
Als dann alle fertig mit den Vorbereitungen waren, fielen die Leoniden mit niedrigen bis mittleren Raten von etwa 10 bis 15 Meteoren in 10 Minuten, was der normalen Leoniden-Rate entsprach.
Gegen 03 UTC ging es dann los. Angekündigt von einer -8 Magnituden Feuerkugel stiegen die Raten plötzlich an. Die Leoniden traten jetzt in Gruppen von 2 bis 5 innerhalb von wenigen Sekunden auf. Dieser Anstieg der Leonidentätigkeit war einfach unglaublich anzusehen. Wenn man sich umschaute fielen die Meteore überall, in allen Himmelsregionen und sogar unmittelbar neben dem fast vollen Mond.
Während des absoluten Maximums zwischen 4:00 und 4:10 UTC war es einfach unglaublich, die Leoniden fielen immer und überall. Beim Blick auf den Radianten im Kopf des Löwen kam bei mir wirklich das Gefühl auf, durch einen Schneesturm zu fahren. Es war also ein wirklicher Meteorsturm. Innerhalb von nur 5 Sekunden flog ein Duzend Meteore in alle Richtung vom Radianten ausgehend davon, Wow, was für ein Anblick!
Nachdem das Maximum jetzt vorbei war, fielen die Raten wieder. Sie gingen allerdings deutlich langsamer zurück als sie vorher zum Peak angestiegen waren. Zusätzlich gab es noch ein kleines Nachmaximum zu dem die Raten nochmals auf Sturmstärke anstiegen.
Nach 4:40 UTC beruhigten sich alle Beobachter so langsam wieder. Uns wurde klar, dass wir in der Tat einen sehr guten Meteorsturm beobachtet hatten. Und das sogar bei einem sehr hellen Vollmond.
Aber was war das? Plötzlich nahm die Zahl der Feuerkugeln zu. Innerhalb von nur ein paar Minuten zündeten drei -10 Magnituden Feuerbälle ein himmlisches Feuerwerk. Glücklicherweise konnte ich sogar einen dieser Boliden auf Film bannen.
Als dann die Dämmerung hereinbrach, fingen wir an unsere Ausrüstungsgegenstände wieder zu verstauen. Einer nach dem Anderen aus unserer Beobachtergruppe brach auf und machte sich auf den Heimweg. Nach weiteren 12 Stunden war dann schließlich jeder wieder sicher zuhause angekommen und die Trans-Europäische Leoniden Odyssee war vorbei.
Im Rückblick war es wirklich ein großartiges Spektakel, das auf alle Fälle jeden Meter Fahrtstrecke durch Deutschland, die Schweiz und Frankreich wert war.

In den folgenden Bildern und Filmen möchte ich einige der Meteore zeigen, die ich an diesem denkwürdigen Morgen beobachten konnte.


Die folgenden Videos wurden mit einer SONY Digital Handycam DCR-TRV230E aufgenommen.
Bei den Videos 1 und 2 wurde die SuperNightShot Fuktion genutzt, beim Video 3 die einfache NightShot Fuktion.
Sie sind mit dem DivX 5.0.2 codec erstellte der auf der DivX Homepage erhältlich ist.

Video1 931 KB 3 Leoniden
Video2 1288 KB 2 Leoniden
Video3 1404 KB 1 Leonide

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