Am 31.Mai 2003 fand eine ganz besondere Sonnenfinsternis statt. Aufgrund einer
speziellen geometrischen Konstellation fiel der Mondschatten über den Nordpol
und lief damit von Ost nach West über die Erde. In Mitteleuropa war die
Finsternis hochgradig partiell zu beobachten. In Grönland, Island und Schottland
konnte man bei Sonnenaufgang eine ringförmige Finsternis beobachten.
Aus diesem Grund war ich mit den Mitgliedern der Astronomischen Arbeitsgemeinschaft
Mainz (AAG) Bernd Abstein, Alexander Gabel, Alfons Gabel und Jörg Schuster,
sowie Hans-Joachim Bode von der IOTA/ES vom 29.05. bis 01.06.2003 in Schottland
unterwegs, um dieses seltene Schauspiel erleben zu können.
Der erste und letzte Tag wurde von der An- und Abreise beherrscht. Am Abend
des 29.Mai konnten wir aber schon ein besonderes astronomisches Highlight beobachten.
Während eines schweren geomagnetischen Sturmes der Stärke G4, konnten
selbst am hellen Dämmerungshimmel Schottlands, Polarlichter gesehen werden.
Der 30.Mai stand dann ganz im Zeichen der Finsternisvorbereitungen und wir fuhren
an der schottischen Westküste und durch die westlichen Ausläufer der
Highlands in die Annularitätszone. Gegen Abend trennten wir uns in zwei
Gruppen auf. Eine Gruppe hatte das Ziel in Lossiemouth, am äußersten
Rand der Ringförmigkeitszone eine Baily's Beads Beobachtung durchzuführen.
Jörg Schuster und ich fuhren aber weiter nach Norden, um eine möglichst
lange ringförmige Phase sehen zu können.
Als wir gegen 01 UTC auf Duncansby Head, dem nordöstlichsten Ende Schottlands
ankamen, wurden wir vom Orkan regelrecht zurückgetrieben. Außerdem
herrschte ein schrecklicher Seenebel mit Sichtweiten von unter 50 Metern.
Der Entschluss, zurück nach Süden zu fahren, wo uns weniger Wind und
Nebel erwartete, war sehr schnell gefasst.
Schließlich erreichten wir um 03 UTC, etwa 15 Minuten vor Sonnenaufgang,
Brora, wo wir unsere Beobachtungsgeräte auf einem Golfplatz aufbauten.
Zusammen mit einigen einheimischen Beobachter, sowie Sternfreunden aus England
und Frankreich, warteten wir auf den Aufgang der partiell verfinsterten Sonne.
Eine letzte Nebelbank verhinderte jedoch den Blick auf die Sonne. So konnte
zunächst lediglich die heller werdende Morgendämmerung bestaunt werden.
Doch die Helligkeitssteigerung stagnierte recht schnell und es wurde wieder
dunkler. Die Zeit bis zum Beginn der ringförmigen Phase verging sehr schnell,
aber die Sonne zeigte sich nicht.
Plötzlich, weniger Sekunden vor Ende der Annularität brach der "Feuerring"
durch die letzte Nebelbank. Welch ein Anblick! Sekunden später begann der
Mond dann die Sonnenscheibe wieder freizugeben und wir beobachteten einen phantastischen
Aufgang der "Feuersichel über der Nordsee".
Der Rest des Tages wurde mit der Rückreise durch die schottischen Highlands
nach Dundee bestritten. Unterwegs trafen wir auch die "Baily's Beads Truppe"
wieder, die leider nicht soviel Glück hatten und die Sonne erst 2 Minuten
nach dem 3.Kontakt über einer abziehenden Wolkenfront entdecken konnten.
Kurz zu den technischen Details:
a.) Polarlicht
Kamera: Canon EOS 50E
Hauptoptik: 16mm f/2.8 Objektiv
Film: Fuji Provia 400F Diafilm
Beobachtungsort: Dundee (56°28'32.3''N, 2°58'7.8''W)
b.) Sonnenfinsternis
Kamera: Canon EOS 50E
Hauptoptik: 500mm Fotomaksutov plus 2-fach Telekonverter
Brennweite: 1000mm
Blende: 11.2
Film: Fuji Provia 100F Diafilm
Beobachtungsort: Brora (57°59'48''N, 3°50'46.8''W)
Die Daten der Finsternis:
Sonnenaufgang: 03:28:32 UTC, Grad der Verfinsterung: 0.666
2. Kontakt: 03:45:13 UTC
3. Kontakt: 03:46:42 UTC
4. Kontakt: 04:43:27 UTC
Dauer der Annularität: 1:29min
Grad der maximalen Verfinsterung: 0.938
Die folgenden Bilder dokumentieren das Ziel der Expedition, die ringförmige Sonnenfinsternis. Als kleines zusätzliches Highlight gibt es auch noch ein Bild der Aurora borealis, die uns am Anreisetag in Schottland überraschte.