Tipps für die Aurora-Fotografie

Geschrieben vom Profi-Fotografen: Dieter Raith

Ich wurde gebeten etwas über die Polarlichtfotografie zu schreiben.
Na gut, es ist Weihnachtszeit und so hab ich mich nun dazu aufgerafft.
Natürlich gibt es bei uns „Polarlicht-Freaks“ auch einige, die neben dem Hobby Astronomie auch gerne fotografieren.
Bei den Astronomen gibt es pfiffige Leute, die den einen oder anderen Tip haben, z.B. den Film mit Gas zu versetzen und ähnliche Dinge mehr. Die Ergebnisse geben Ihnen ja auch recht.
Bestimmt wird der Eine oder Andere auch zu meinen Tipps sagen, das mache ich aber nicht so.
Dann macht auch bitte selbst Eure Erfahrungen.
Für Verbesserungen schreibt mir dann gerne eine Mail an z196hah@z.zgs.de.
Nun ja, zu mir sei zu sagen, dass ich die Fotografie mittlerweile 23 Jahre mit der eigenen „Knipse“ betreibe. D.h. mit 14 Jahren leistete ich mir von meinen Konfirmationsgeschenken eine Pentax ME mit 2.8/40mm Objektiv. Ich habe auch mit dieser Kamera schon Polarlichtbilder gemacht, sowie auch mit weiteren Pentax Modellen z.B. LX (Profikamera) und der Super A. Sie brauchen wenig Batterie, da sie meist mit LED´s ausgestattet sind und diese nur sehr wenig „Saft“ verbraten. Irgendwann hielt dann der Autofocus Einzug in die Kameras und ich muss für mich sagen, es war ein Quantensprung. Schlagartig wurden die Belichtungsergebnisse besser, einfach perfekter. Der Ausschuss wurde auf ein Minimalstes zurück geschraubt. Mittlerweile kann ich mir aus mehren Gründen eine Fotografie mit „Aufziehkameras“ nicht mehr vorstellen.
Polarlichtfotografie ist nicht einfach, ganz abgesehen davon, dass außer lichtstarken Objektive auch der Aufenthalt in diesen Gebieten sich teuer gestaltet.

Polarlichtaufnahme von Dieter Raith

All meine Erfahrung möchte ich Euch nun gerne vorstellen. Ich hab einfach drauf los geschrieben. Viel Spaß beim Umsetzen.

Von den Vorteilen moderner AF-Kleinbild-Kameras wäre zu nennen:
1. motorischer Filmtransport
2. Motorisches Einfädeln und Rückspulen der Filme, teilweise auf langsam zu stellen (besser) oder komplett abstellbar (am Ende, auch besser)
3. AF (erst recht bei Polarlichtern !) mit AF Betrieb bis Lichtwert 0 bzw. -1
4. Plastikgehäuse (Metall ist kalt, s..kalt !)
5. Mehrfelder Belichtung
6. Spot- bzw. Selektivmessung mit ca. 2.5% bzw. ca. 8.5% des Bildfeldes
7. Elektronische Information fast sämtlicher wichtigen Daten im Sucher
8. Beleuchtbares Display (um Belichtungswerte ablesen zu können)
9. Externes Batteriefach für größere Batterien (meist am Körper zu tragen)
10. Elektr. Belichtungssteuerung bis 60 Sekunden und bulb für Langzeitbelichtungen ab 1 Minute
11. Vollelektronische magnetgesteuerte Blendenauswahl
12. Manuellsteuerung von Zeit und Blende! (Für Langzeitaufnahmen sinnvoll)
13. Hervorragende Blitztechnik
14. "Antiwackel"-Objektive (Nikon und Canon funzt aber nicht auf Stativ!)
15. Akustische Warnsignale
16. Mehrfachbelichtung
17. Belichtungsvarianten-Automatik
18. IR-Fernbedienung
19. Selbstauslöser gekoppelt mit Spiegelvorauslösung (elektronisch mit Magnet)
20. Helleres Sucherbild dank neuer Lasermattscheiben
21. Dateneinbelichtung

Die unterstrichenen Punkte sind größtenteils nur modernen AF-Kameras vorbehalten (von dem einen oder anderen Exoten einmal abgesehen).
Ihr seht, dass es mehr Punkte gibt, die nur AF Kameras bieten können.
Ich möchte aber nicht verschweigen, dass es auch Nachteile gibt.

Da wäre zu nennen:
1. Hoher Energieverbrauch
2. Fällt einmal die Stromversorgung aus kann ich den Polarlichtern nur noch zuschauen
3. Teurer Anschaffungspreis
4. Zum Teil schlechter Wiederverkaufswert (bei Amteurmodellen wie auch prof. Gehäusen)
5. Bajonettanschlüsse mit altem System meist nicht kompatibel

Ihr seht, dass die Liste der Nachteile nicht lang wird.
Unter Punkt 4 habe ich einmal das Plastikgehäuse als Vorteil, einmal als Nachteil. Warum das ? Damit hat es Folgendes auf sich. Ein Profi, der sich in bestimmten kalten Regionen um Bildergebnisse bemüht, wird meistens ein Plastikgehäuse dem Metallgehäuse vorziehen. Ich habe einmal die Bekanntschaft mit Stahl auf meinen Lippen machen dürfen, als das Metallgehäuse in der Kälte am Mund festklebte. Es war eine sehr schmerzhafte Angelegenheit, mich wieder von dem Gehäuse zu trennen. Schon aus diesem Grund empfehle ich jedem diese Plastikbomber. Gebraucht bekommt ihr die mittlerweile auch schon für ein paar blaue Scheine. Es muss ja nicht das neueste Gehäuse sein, schließlich rennen die Polarlichter nicht davon. Daher braucht ihr keinen schnellen AF (Autofocus).
Das es aber Sinn macht mit AF zu arbeiten, erkläre ich nachfolgend Teil.
Beim Anvisieren auf den Mond bzw. auf einen hellen Stern/Planet habt ihr exakt die Schärfe die Ihr braucht. Danach schaltet den AF ab. Manche Kameras können auch den Auslöser von der Schärfeeinstellung trennen. Dann wird dieser auf eine Extrataste gelegt und Ihr könnt den AF anlassen (oft per Individualfunktion; im Handbuch nachlesen !). Ansonsten nach erfolgter Schärfefindung das Ding ausmachen, dann aber auch Finger weg von der Linse, sonst verstellt Ihr evtl. die Einstellung. Um ganz sicher zu gehen, könnt Ihr es mit Tesa abkleben.
Schaut Euch viele PL-Bilder an, sie sind unscharf. Erzählt mir bitte nicht, dass Ihr in der Dunkelheit exakt scharf stellen könnt. Da hat Euer Auge bereits auf die Stäbchensehweise umgeschaltet und diese registrieren keine Entfernungen exakt.
Dann noch ein weiteres, Ihr solltet die Schärfe immer wieder neu holen. Warum? Glas zieht sich in der Kälte zusammen und so vermeidet Ihr, dass Ihr unscharfe Bilder bekommt.
Dass die ganze Klaperatur natürlich auf einem Stativ stehen soll, versteht sich von selbst. Am Besten auf einem stabilen Stativ. Ihr werdet in den Polarlicht-Gebieten oft Wind haben, der Euch um die Ohren pfeift. Damit die Sterne bei der mehrere Sekunden langen Belichtung auch punktförmig abgebildet werden, empfiehlt es sich einen Gegenstand (z.B. ein Stofftragtasche mit Steinen) an das Stativ hängen. Desweiteren findet Ihr im Baumarkt Isolierungen, die um Heizungsrohre gewickelt werden können. Diese nehmt und fummelt sie um die Stativbeine, am besten um alle drei. Mit einem festen Klebeband können sie noch umwickelt werden. Zieht Eure Stativbeine fest, aber nicht zu fest, sonst gibt es Probleme beim Öffnen (Das Metall dehnt sich, wenn Ihr nach Eurem Watch wieder in die warme Hütte geht !).
Ansonsten, gewöhnt Eure Knipse langsam an die warme Luft (z.B. in den Vorraum stellen). Bevor Ihr sie aber mit rein ins Warme nehmt, wickelt eine Plastiktüte um sie. So bleibt das Kondensat an der Tüte und nicht an bzw. in der Kamera. Das Ganze lasst Ihr mind. 15 Minuten stehen, ohne die Tüte zu entfernen, sonst habt Ihr für weitere Fotos in der gleichen Nacht Probleme Bilder erstellen zu können. Am Besten ist sowieso Ihr lasst das Ganze vor der Hütte, wenn es die Gegebenheiten zulassen. (In einsamen Hütten in Skandinavien ist das im Normalfall kein Problem). Plastiktüte und Gummi drüber, das schützt gegen Schnee. Ich habe meine Kameras aber auch schon einschneien lassen, sie funzen heute noch. So vermeidet Ihr das die Linse beschlägt. Wenn Ihr ein eingebautes Blitzlicht habt, nehmt sie besser mit ins Warme.
Aber lasst die Kameras an, stellt sie nicht aus ! Also nicht auf L (Look = verschliessen) stellen. Der eingebaute Kondensator entlädt sich und beim Anstellen zieht er sehr viel Energie weg. Das kostet nur unnötig Batterie und meist werden die modernen Kameras mit Lithium-Blöcken gefüttert, die im VK sehr teuer sind (EK liegt bei ca. 6,- DM, jetzt wisst Ihr was daran verdient wird). Also den ganzen Urlaub lieber anlassen. Am besten 1 - 2 weitere Ersatz-Blöcke im deutschsprachigen Raum kaufen. In Skandinavien zahlt Ihr ca. 70,- DM/Stück (!). Also hier schon eindecken. Das Gleiche gilt auch für Filme. Auch setzt für das Blitzen lieber Akku´s vom Typ NiCd (Nickel Cadmium) ein, die sind super kältetauglich.
So, was kann ich noch sagen.
Es gibt Kamerahersteller, die kleine Fernbedienungen für Ihre Kameras anbieten (ca. 50,- DM). Meist reichen diese bis 5 Meter Entfernung. Damit ist meist die Spiegelvorauslösung gekoppelt. Die solltet Ihr vor jeder Aufnahme aktiviert haben (sofern es Euer Modell zulässt). Es gibt aber einen Hersteller, der es bis heute noch nicht schafft hat, seinen „Amateurmodellen“ dieses zu verpassen. Selbst ein Gehäuse für schlappe 2500,- DM weist die Spiegelvorauslösung nicht auf. Traurig, traurig, traurig ! Ich hoffe, der Hersteller erkennt sich, wenn er diese Zeilen liest. Sonst laufen ihm noch weitere Naturfotografen zur Konkurrenz. Wenn Ihr keine Spiegelvorauslösung habt, stellt die Kamera einfach auf Selbstauslöser und nehmt dann die Hand oder einen Hut vor die Linse. Sobald Ihr merkt, dass die Kamera den Verschluß öffnet, nehmt ein paar Sekunden später die Hand / den Hut weg und belichtet. Damit erreicht Ihr den gleichen Effekt wie mit Spiegelvorauslösung.
In der Kälte habe ich noch Weiteres bei mir.
Externes Batteriepack mit Monozellen bestückt, eine Isomatte auf der Ihr stehen könnt, wenn es „zipfig“ kalt ist. Eure Füße danken es Euch auch, wenn Ihr die Stiefel nicht zu klein kauft, damit hat Euer Fuß platzt und Ihr könnt so evtl. eine Stunde länger draußen bleiben.
Ein Aufnahmegerät (Minicassettenrekorder) ist genauso sinnvoll wie eine Taschenlampe, damit sagt die Belichtungswerte zu jedem Bild dazu wie z.B. Objektiv, Blende, Belichtungszeit, evtl. zu sehende Sternbilder (falls Ihr mal die Bild Nr. vergessen habt).
Den Schnee oder den Vordergrund könnt Ihr mit einer Taschenlampe anleuchten, das hebt sich dann gut vom Rest des Bildes ab. Die Taschenlampe muß aber ständig gekreist werden, damit sie keine unschönen Flecken erzeugt. Und das sollte hinter (!) der Kamera erfolgen. Am Besten in gewissem Abstand zur Kamera.
Die Wirkung der Ausleuchtung des Vordergrundes ist besonders schön in den folgenden beiden Bildern vom Meister der Aurora-Fotografie Jan Curtis (Fairbanks, Alaska) zu sehen. Es sind Aufnahmen von seiner Webseite "Home of the Northern Lights", die am 23.Februar 2000 entstanden sind.

Sucht Euch einen erhöhten Standplatz oder einen nicht zugefrorenen See, um auch den Horizont (Berge, See, Bäume etc.) mit einzubeziehen, sieht einfach besser aus (siehe Dezember 2000 Siegerbild oder auch mein Siegerbild Oktober 2000) bei www.northern-lights.no.
Thema Taschenöfen, die wirken Wunder, wenn es um kalte Finger geht. Die Dinger gibt es in Campingausrüstungsgeschäften und kosten pro Stück ca. 15,- DM, mehr nicht. Außerdem könnt Ihr sie in der Apotheke bestellen. Die Brennstäbe halten ein paar Stunden. Zwei davon machen Sinn. Aber nicht in die Fototasche zur Kamera stecken, Eure Kamera braucht kein „Mäntelchen“. Eher Ihr ein Jack-chen. Jack Daniels zum Beispiel. Das bleibt aber nun die einzige Schleichwerbung.
So, immer noch nicht von AF überzeugt?
Dann sage ich Euch noch schnell, dass ich meine Kamera komplett mit Fäustlingen bediene und diese nur kurz zum Filmwechsel ausziehe.
Das heißt, Ihr solltet auch Ersatzfilme mit dabei haben. Probiert nicht x Filme evtl. parallel aus. Nehmt eine Marke von der ihr Gutes gelesen habt mit (alternativ maximal Dia/Negativ-Film).
Jetzt noch was zur Belichtung.
Ich stelle meine 50iger Blendax mit Zahnbürstelantrieb (Scherz !) bei einem 200 ASA Film auf 125 ASA ein, dann belichtet sie eine 2/3 Blende länger, d.h. der Vordergrund kommt so besser zu Geltung. Bei hellem Mondlicht reflektiert das zudem sagenhaft im Schnee. So nun wisst Ihr auch, dass ich meist 200 ASA Filme verwende, der Schärfe wegen. Aber auch ein 800 ASA Bilderfilm aus Japan ist eine gute Wahl. Erstens hat ein Bilderfilm einen höheren Kontrastumfang als ein Diafilm und zweitens ist das ein verdammt scharfer Film. Die Spitze markiert aber aus dem gleichen Haus ein 100 ASA Prof-Film mit der Bezeichnung F wie fine grain (feines Korn). Im Frühjahr soll es diesen, nicht ganz billigen Film, auch als 400 ASA Version geben (ca. 15 - 18,- DM/Stück). Die Konkurrenz wird an diesem Stück lange noch zu beißen haben. Der hat auch kein Schwarzschild-Effekt bis 30 Sekunden bzw. ab 30 Sekunden muss er lediglich um 1/3 Blende länger belichtet werden. Er ist satt von den Farben und die wollt Ihr ja schließlich auch wieder finden.
Belichtungszeiten Hinweis: Hierfür übernehme ich keine Garantie!
Ihr müßt Euch an Richtwerte halten, seht dazu auf www.northern-lights.no nach. Ihr müsst aber auch gleiche Bedingungen vergleichen Also gleiche ASA-Zahl. Ein paar Anhaltswerte gibt es hier: 800 ASA ca. 10 - 15 Sekunden bei Blende 2.8; 400 ASA ca. 20 - 30 Sekunden bei Blende 2.8; 200 ASA ca. 40 - 100 Sekunden bei Blende 2.8; 100 ASA ca. 80 - 200 Sekunden bei Blende 2.8. Wie Ihr erkennen könnt, verdoppeln sich die Zeiten bei der Verwendung eines nächst feinkörnigeren Films (800 -> 400 -> 200 -> 100 ASA Film). Allerdings nicht mehr ab etwa 30 Sekunden, dann müsst Ihr durch den Scharzschild-Effekt länger belichten ! Dieses alles aber sind nur Anhaltswerte ! Das beim Belichten das Objektiv auf der offensten Blende (z.B. 1.4 / 2.0 / 2.8 / 3.5) stehen muss dürfte einleuchten, sonst verdoppeln sich auch die Belichtungszeiten, dunklere Objektive ab Blende 3.5 empfehle ich nicht für Polarlichter. Viele moderne Kameras aber belichten bis 30 Sekunden lang automatisch.
Es steckt genügend Erfahrung in meinen Bildern, immerhin war ich nun bereits 10 Mal jeweils 2 - 3 Wochen in Nordnorwegen, um die Lichtlein zu knipsen. Schaut immer mal wieder bei www.northern-lights.no vorbei, dann werdet Ihr sehen, dass ich aus Erfahrung spreche.

Polarlichtaufnahme von Dieter Raith

Bei Fragen rund um die Polarlicht-Fotografie stehe ich auch gerne unter z196hah@z.zgs.de zur Verfügung. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass ich als selbständiger Fotograf arbeite und daher meine Zeit beschränkt ist. Ich freue mich aber gerne über Nachrichten oder tolle Bilder, die Ihr „geschossen“ habt. Auch bin ich noch an ein paar Astroaufnahmen mit Sonnenflecken interessiert, die ich gerne in einen Diavortrag über´s Polarlicht einbauen will. Es wäre super, falls mir jemand so etwas zur Verfügung stellen kann. Wer gute Aufnahmen hat kann sich ebenfalls bei mir melden. Dann könnten wir ein Video produzieren.

Gut Licht wünscht Euch Euer Dieter

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